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Achat mit äusserst seltener Farbe und "Wegeler-Effekt"
Autor: Klaus Schäfer

Blaue Farbtöne sind in der Saar-Nahe-Region ausgesprochen selten - intensiv farbgesättigte Stücke, wie man sie etwa aus Polen oder Mexico kennt, kommen nicht vor.
Der Grund hierfür ist darin zu sehen, daß in unserer Region die dementsprechend notwendigen Dotierungen des Chalcedons mit Mangan-Verbindungen nicht üblich sind.



Doch keine Regel ohne Ausnahme !

Das hier vorgestellte Stück ist ein Fund, der in den frühen 1980iger Jahren in Berschweiler bei Baumholder gemacht wurde.



Bild eins: Achat mit intensiv blauer Farbe von Berschweiler

Große Teile der etwa 94 mm langen Achatmandel sind nur schwach gebändert und erscheinen transparent. Sie lassen einen Blick in den Stein zu. Auffällig ist seine von Tintenblau nach Violett changierende Färbung - abhängig davon, ob das auftreffende Licht reflektiert wird, oder den Stein passiert (Gegenlicht). Reflektiertes Licht (zu sehen bei der Totalen und im Ausschnittbild eins) erscheint in einem warmen, stark gesättigten Blau. Licht, das durch den Stein scheint, enthält mehr Rotanteile und erscheint daher Violett (Ausschnittbild zwei). Im Inneren des Steines sind feingliedrig ausgebildete, opak-schwarze Dendriten zu beobachten. Diese Art von Dendriten wird im Allgemeinen von Mangan-Mineralen gebildet. Im Besonderen hat man bislang im Saar-Nahe-Raum hauptsächlich Psilomelan als Mangan-Mineral identifizieren können. Diese Dendriten liefern den schlüssigen Beweis, das die transparenten Chalcedon-Bereiche dieser Mandel mit Manganmineralien in feindisperser Form durchsetzt sind. Diese Pigmente erzeugen dann die leuchtend blauen und violetten Farbtöne.


Bild zwei: Ausschnitt mit Dendriten im Auflicht



Bild drei: Ausschnitt mit Dendriten im Durchlicht








Grafik eins: Schematische Darstellung eines Wegelers mit Schnittlage (Strichpunktlinie) die in der zweiten Grafik genutzt wird.



Grafik zwei: Schematische Darstellung des Verdunkelns (A) und des Aufhellens (B).

Im Inneren der Mandel findet sich eine Zone extrem fein ausgebildeter Bänderung. In ihr wechseln sich transparente und opake Bänder mit gleich großen Abständen ab. Fällt das Licht in einer Position senkrecht auf die transparenten Zonen, erscheint der Stein hier dunkel (A). Kippt man den Stein etwas, verdecken die opake Lagen aufgrund der Neigung die transparenten Bereiche, und der Stein erscheint in der Färbung der opaken Lagen (B; hier: hellgelb). Ist die Bänderung so fein ausgebildet wie beim hier präsentierten Stück, erscheint dieser Vorgang als fließend - dunkle schattenartige Bereiche dominieren das Bild um im nächsten Moment bei einer nur geringen Bewegung des Stückes zu verschwinden. Dieses Bild erinnert wegen seines Vexierens von hell nach dunkel an einen fließenden Schatten ("Schatteneffekt") oder inspiriert zum Vergleich mit einer Wasseroberfläche. Steine, die dieses Verhalten zeigen, werden nach einem spezifischen Ausdruck des lokalen Idioms als "Wegeler" bezeichnet. ("wegeln" : strampeln; "Wegeler" kann auch Kleinkind bedeuten).